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Info
Mr. Irish Bastard - Das Japan-Tourtagebuch
- 07.06.10
Endlich ist es komlpett: Das Japan-Tour-Tagebuch von Mr. Irish Bastard. Aber bevor ich zu viel erzähle, lest am Besten selbst:
Da das Schreiben des Tagebuchs während der Tour leider nicht geklappt hat (ganz vergessen, keinen Bock, mein Hund hat mein Hausaufgabenheft aufgefressen etc), werde ich das jetzt mal dringend nachholen.
Lesen Sie einen schockierenden Bericht über reichlich Turbulenzen, über eine Band, die lebenden Fisch isst und über Toiletten, die Spülgeräusche imitieren.
14.3.2010 Flughafen Frankfurt
Die Frisur sitzt. Mit einem lächerlich teuren Mietwagen der Firma Avis haben wir uns mitsamt Gepäck hierhier echauffiert um gesagt zu bekommen, dass der Flieger zur Zwischenstation Peking 3 Stunden Verspätung hat "due to heavy snow". Das würde bedeuten, dass wir unseren Anschlussflieger nach Tokio nicht mehr errreichen. "Man wird sich vor Ort um Sie kümmern" heisst es. Wir sind gespannt, was das bedeuten wird und testen in der Zwischenzeit ein Fläschchen Grasovka im Duty Free Geschäft. Die Stimmung könnte nicht besser sein. 3 Stunden später sitzen wir dann im Flieger und stellen halb ernüchtert fest, dass Air China nicht ganz so komfortabel ist wie Emirates, die uns im letzten Jahr nach China geflogen haben. Was soll´s, los gehts.
In der Tat verpassen wir den Flug nach Tokio. Das gefährdet das erste Konzert in Sendai ungemein. Sota, unser Labelboss in Japan schreibt per sms: "I want you to be here until 4 pm!" Das ist ungewöhnlich deutlich für einen Japaner! Wir klappern alle Fluggesellschaften ab, aber der nächste Flieger geht erst einen Tag später. Wir kaufen Vodka im Duty free und vergessen die Sorgen des Alltags. Air China spendiert eine Nacht im Hotel in Downtown Peking, was auch nicht übel ist. So können wir also nochmal in China auf die Piste gehen. Jemand aus der Gruppe sollte sich später übergeben.... Am nächsten Tag also wieder zum Flughafen und nun ab nach Tokio. Der Flug dauert 2,5 Stunden und ist ungewöhnlich reich an Turbolenzen. Ich mache mein Testament und lehne den Imbiss ab.
Verblüffenderweise überleben wir vollzählig und können am Flughafen von Sota und dem Tourfotografen Tomo eingesammelt werden. Die verfrachten uns direkt in einen Kleinbus, der nun maximal überladen ist und verkünden, dass wir das erste Konzert noch schaffen können. Man würde dort auch bis 5 Uhr morgens auf uns warten. Inzwischen ist es 0 Uhr. Dann mal los. Es gibt japanisches Bier, das sehr lecker ist und die neuen CDs zu bestaunen. Gegen 2 Uhr erreicht uns die Nachricht, dass man nun doch nicht mehr auf uns warten würde und das Konzert abgesagt ist. Wir sind mehr müde als traurig und freuen uns auf das Hotel in Koriyama.
Die Toiletten dort sind genau so, wie man sich das vorstellen darf. Mit integrierter Arschdusche (wahlweise von vorne oder hinten) und einer Spülgeräuschimitation.
Wir überspringen reichlich Schlaf.
17.3.2010 Koriyama - Free Way Jam
Wir treffen Sanne vom Street Team Wuppertal, die es sich nicht nehmen liess, ebenfalls nach Japan zu fliegen und die Tour zu begleiten und Kii, Fan der ersten Stunde.
Auf geht´s zum Free Way Jam, einem ehemaligen Kino, das nur 10 Minuten entfernt ist.
Ein super Laden mit exzellenter Technik und fähigen Leuten. Nach dem Soundcheck schnell etwas Sushi geholt und dann mal die anderen Bands angucken. Irish Folk scheint hier ein riesen Thema zu sein. Eine Band nach der anderen spielt irische Traditionals, das ist schön verrückt.
Gegen 22 Uhr entern wir die Bühne und bekommen es mit einem sehr gut gelaunten Publikum zu tun. Es wird getanz und geschrien und sich im Kreis gedreht. Höhepunkt der Veranstaltung ist ein junger Mann, der sich komplett nackt ausgezogen hat und uns in der ersten Reihe abfeiert. Irgendwann erstürmt er die Bühne und brüllt irgendwas ins Mikro. Nach der Show erhalten wir die Übersetzung: "Der Sound ist so heiss, ich musste mir die Klamotten vom Leib reissen!" Wie soll das bitte noch getoppt werden und wie sollen wir jemals die Bilder eines nackten Stagedivers aus unseren Hirnen bekommen? Wir versuchen es mit Sake und scheitern.
Wir wecken Sota, der hinter den Merchandising Stand eingeschlafen ist und fahren zurück in´s Hotel.
Schnell noch ein paar Drinks. Ein Mitglied der Band wird im Laufe der Nacht vom Stuhl fallen.
18.3.2010 Shimizu - Jam Jam Jam
4 Stunden Fahrt nach Shimizu. Ab und an werden Pausen an Raststätten eingelegt, die tadellos sauber und gepflegt sind. Überall gibt es Getränkeautomaten. Grüner Tee oder Wasser in Flaschen kostet weniger als 1 Euro. Das ist deutlich günstiger als in Deutschland und eine echte Überraschung.
Das Jam Jam Jam in Shimizu ist ein eher kleiner Laden aber auch hier ist die Technik ausgezeichnet. Genau wie in China verfügt jeder Laden über eigene Backline (also Schlagzeug, Verstärker und Boxen), d.h. Bands müssen lediglich Ihre Gitarren mitbringen, das ist schon sehr praktisch. Nach dem Soundcheck laufen wir in die Stadt um uns etwas zumzusehen. Es gibt eine ziemlich grosse Einkaufszone, die aber fastvöllig menschenleer ist. Zu unserer eigenen Sicherheit kaufen wir lieber nichts. Eine Kette mit einem Hakenkreuzanhänger weckt allerdings doch unser Interesse. Was es nicht alles gibt! Ein junger Mann stürmt auf uns zu "Mr. Irish Bastard?!" Äh ja... Verrückt, auf offener Strasse erkannt zu werden! Leider konnte der gute Mann kein Englisch und unser Japanisch lässt auch zu wünschen übrig. Wir werden ihn auf jeden Fall später beim Konzert sehen und auch in Tokio noch einmal. Zum Konzert selber kann ich nicht sonderlich viel berichten. Wir haben sehr ordentlich gespielt aber die Stimmung von gestern wurde an diesem Tag nicht noch einmal erreicht. Ein Mitglied der Band sollte später mit einer Flasche Whisky im Arm im Backstageraum einschlafen. Wo haben wir eigentlich übernachtet und war ich möglicherweise dieses besagte Mitglied der Band? Fragen über Fragen! Jetzt fällt´s mir ein. Ja, ich war oben genanntes Mitglied und wir sind nach Nagoya gefahren. Das waren nochmal 2-3 Stunden. Das Hotel war aber wieder spitze und alle stürzen sich auf die frei zugänglichen Laptops mit Internetzugang. Dann: Feierabend!
19.3.2010 Nagoya - Tiny 7
Das Tiny 7 ist nicht weit vom Hotel, so dass wir gut ausgeruht dort ankommen. Vor dem Laden warten schon ein paar Autogrammjäger, die uns CD´s und Fotos entgegenhalten, die wir gerne signieren. Verrückt! Wir fühlen uns sehr erfolgreich und verabschieden uns in´s Innere des Ladens. Soo Tiny ist der Club nicht und macht einen sympathischen Eindruck. Eine extrem steile Treppe führt in den geräumigen Backstagebereich, in dem wir uns grosszügig verteilen. Nach einem schnellen und guten Soundcheck will uns Sota zum Essen einladen. Auf dem Weg zu Restaurant kommen wir an einer Pachinko-Halle vorbei. Das sind riesige Spielhallen und eine grosse Leidenschaft der Japaner. Unglaublich ist allerdings die Lautstärke in diesen Läden. Ein startender Düsenjet ist ein Witz dagegen! Wir mussten das diverse Male filmen, weil wir das ernstaft nicht glauben konnten.
Im Sushi Restaurant mussten wir natürlich erstmal die Schuhe ausziehen, dann wurden wir einem Separée zugewiesen. Sota bestellte Bier und Sushi für alle und verabschiedete sich dann. Immer, wenn es um Essen ging, hatte er dringende Termine...
Der Fisch war sehr lecker und schmeckte ungewöhnlich frisch. Zur Dekoration hatte man das tote Tier neben den Salat auf den Teller gelegt. Tot? Uns blieb das Essen im Halse stecken - das Herz schlug noch und die Kiemen bewegten sich! Viel frischeren Fisch kann man wohl nicht essen, das ist eine harte Nummer! Auf den Schreck schnell noch eine Runde Bier bestellt!
Bei den Beschreibungen der Konzerte wiederhole ich mich vermutlich. Ausgezeichnete Stimmung! Leute, die total ausflippen! Maximal weit weg von zuhause können Leute unsere Texte mitsingen! Es gab ein paar technische Probleme mit dem Akkordion und Ivo war unzufrieden mit seinem Monitorsound aber im grossen und ganzen war das ein famoser Abend! ...und er war noch nicht zuende.
Da wir am nächsten Tag 2 Shows spielen sollten, war Sotas Ansage: "Leute, früh in´s Bett. Morgen wird ein anstrengender Tag!" Pah, nicht mit der Mr. Irish Bastard Gruppe! Wir haben uns erstmal den Weg zum nächsten Karaoke Club erklären lassen und los ging´s.
Da wir keine Ahnung hatten, wie das in diesen Läden abläuft sind wir also munter da rein und hoch in die erste Etage. Dort besetzten wir einen Raum, in dem eine Karaoke Anlage stand und bekamen diese auch an´s laufen, allerdings ohne die Playbacks. Nach und nach kamen wir dahinter, dass wir unten an der Kasse hätten bezahlen müssen und dann einen Raum bekommen hätten. Ok, also ging die Finanzministerin nochmal runter, bestellt einen Raum und "free drinks" und dann konnte der Spaß beginnen. Von Megadeth über MC Hammer bis zu den Venga Boys zeigten sich unsere tapferen Helden ungewohnt textsicher. Der arme Kellner tat sein möglichstes, die "free drinks" nachzuliefern. Als die ersten Teilnehmer mit seligem Grinsen einschliefen, war es Zeit, Abschied zu nehmen von dieser Freizeitkultur, die unser Innerstes nach Aussen gekehrt hatte.
Schnell noch ein Burger von einem amerikanischen Restaurant und ab ins Bett. Es war schon SEHR spät.
20.3.2010
Zerknautsche Gesichter am frühen Morgen. Mein Gott, was war nur mit uns geschehen? Ach so, ja, Karaoke! Diese verfluchte japanische Kampfsportart!
Die Zeit drängt, wir müssen zu Tower Records, wo wir eine Acoustic Show mit anschliessender Autogrammstunde absolvieren sollen.
Vor Verlassen des Hotels soll ich umgerechnet 25 Euro für ein Ferngespräch bezahlen. Hatte ich noch telefoniert? Mit wem? Und welche Details hatte ich verraten?
Tower Records war beeindruckend und erst recht die Werbeplakate. Überall "Mr. Irish Bastard" "Neues Album out now etc." in den Abhörstationen unser Album und auch im gesamten Laden wurde unsere Songs gespielt. Das erlebt man ja doch eher selten....
Allerdings war die Band immer noch in einem schlimmen Zustand. Schnell was essen, es war noch eine Stunde Zeit. Als ein Mitglied der Band sich hierzu ein Bier bestellte, ahnte ich das Schlimmste für die ungeprobte Acoustic Show. Auch die Sonnenbrille wollte er nicht mehr absetzen.
Na gut, wir waren ja nur in Japan.... Wir überspringen etwas rumgehänge und landen direkt bei dem kleinen Konzert in diesem grossen Plattenladen. Der Andrang hielt sich in Grenzen aber die Leute hatten Bock auf uns und wir gaben, was wir konnten. Und das war gar nicht mal schlecht. Ich war ernsthaft verblüfft und nahm mir vor, mir ab jetzt keine Sorgen mehr zu machen. Gerne erfüllten wir anschliessend noch Autogrammwünsche und machten Erinnerungsfotos. Dann ab in den Bus und weiter nach Tokio.
Gefühlte 8 Stunden später erreichen wir die imposante Hauptstadt des Landes. "Wen soll eigentlich noch Berlin oder Hamburg beeindrucken, wenn man so etwas gesehen hat?" denken wir in der uns eigenen arroganten Art.
Ich fasse die 3 Konzerte in Tokio mal schnell zusammen, weil die Erinnerung nicht mehr die Beste ist und alles irgendwie toll war. Hier gab es einfach nichts zu meckern, so gerne wir das auch tun. Irre temperamentvolles Publikum, das uns mit ihrer Begeisterung völlig umhaut, perfekte Technik und eine dementsprechend gut aufgelegte Band. Unvergesslich besonders der letzte Abend vor 600 Zuschauern und etwash Wehmut, weil es schon vorbei ist.
Wir hoffen auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr und danken Sota, Sanne, Kiyomi und allen anderen Beteiligten.
Cheers,
Mr. Irish Bastard

