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Ralf Lübke (Monkeeman)

Jöran - 02.09.08

Monkeeman

Am Tag nach dem erfolgreichen Monkeeman-Konzert in der Esquina Central sprach ich mit Ober-Monkee Ralf Lübke über seine musikalischen Wurzeln, die Unterschiede zwischen England und Deutschland und seine Erfahrungen mit der Musikbranche. Auf der Terasse des Esquina Central ergab sich eine entspannte Unterhaltung im schönen Dortmunder Sonnenschein.

Jöran: Du bist ja gestern schon hier aufgetreten. Zufrieden mit dem Auftritt?

Ralf Ja, hat total Spaß gemacht. Wir machen ja eigentlich nir so Unplugged-Shows in so kleinem Rahmen darum waren wir auch erst einmal im FZW. Mir hat das aber total Spaß gemacht. Die Leute waren ja auch begeistert. Ich fand das total klasse.

Jöran: Es war schon sehr familiär fand ich. Es waren ja auch viele Leute da, die Dich schon kannten.

Ralf Ja, es waren ein paar da. Ein paar Bekannte von dem Organisator waren dabei. Deswegen hat es auch einen Riesenspaß gemacht. Ich hätte auch gerne noch weiter gespielt.

Jöran: Wäre schön gewesen. Ihr hatte ja 2 Sets von ungefähr ner dreiviertel Stunde. Spielt ihr heute auch wieder so lange?

Ralf Heute wirds ungefähr ne Stunde ohne Pause. Ab 19 Uhr.

Jöran: Von der neuen Platte hab ich gelesen, dass ihr ganz bewusst darauf geachtet habt, dass die rauer klingen sollte.

Ralf Ja, genau. Wir haben die ersten beiden Platten mit Patrick Majer produziert, dem Produzenten von Wir sind Helden. Diesmal haben wir uns Equipment zusammengeliehen und alles im Proberaum eingespielt und er hat die Platte dann bloß gemischt. Ich hab erst Demos gemacht zum Album, wo ich alles selbst gespielt habe und das haben wir dann versucht nachzubauen. Auf der Platte haben Zoran und ich dann zusammengearbeitet mit nem Gitarristen, mit dem ich rüher mal zusammengespielt habe. Wir haben dann auch alle Instrumente selber gespielt und die eigentliche Band war nicht dabei. Das wollte ich auch so, weil man ja auch einfach mal ein Instrument neu entdecken möchte und mal wieder ein bisschen naiver da ran gehen möchte und nicht so clever.

Jöran: Es ist schon so, dass Du alles selber schreibst und dann mit Musikern einspielst.

Ralf Genau, ja. Songs schreibe ich komplett alleine und arrangieren machen wir dann zu zweit oder zu dritt. Bei den anderen Platten hat es dann die gesamte Band eingespielt und jetzt haben wir alles zu dritt aufgenommen. Zoran hat Schlagzeug gespielt, zum ersten Mal überhaupt auf einer Platte, vorher hat er ein halbes Jahr geübt. Percussion und Bässe und so hab ich alles selber gespielt. Der Luxs war eben gegenüber teurer Studiozeit, dass du ewig dasitzen konntest und einfach aufnehmen und arbeiten konntest.

Jöran: Das hatte ich auch auf eurem Myspace gelesen. Die Aussagen zu Majors und der Einflussnahme auf die Musiker. Ist das ne Grundeinstellung von Dir?

Ralf Ja, auf jeden Fall. Ich mach schon lange Musik und hatte mit meiner vergangenen Band auch schon Major-Deals und da passieren so Sachen wie: Die Platte finden wir toll, aber - die Bates haben damals ne Cover-Version in den Charts gehabt - ihr braucht jetzt noch ne Cover-Version, sonst kommt die Platte nicht raus. Da sitzt du dann da als Songwriter und denkst: Alles klar! Und sowas wollte ich nicht noch mal erleben.

Jöran: Deswegen ist es dann auch ne bewusste Entscheidung bei Rookie, also nem kleiner Label, die Platte rauszubringen?

Ralf Das ist ja im Grunde auch egal. Du hast ja jetzt über Internet Promo-Möglichkeiten, die auch nicht so Unsummen kosten. Die ganzen Marketing-Budgets, die man bei Majors mal hatte, zahlen die sowieso nicht mehr. Die fangen mittlerweile wenn die ein Album von dir kaufen wollen bei 5000 Euro an zu dealen und dann gibt es überhaupt keinen Grund mehr da hin zu gehen. Es gibt ja auch kaum mehr gut funktionierende große Plattenfirmen mehr. Rookie hat natürlich seine Kanäle, gute Kontakte und ist einfach auch ein netter Typ. Unser Booker arbeitet schon Jahre mit ihm zusammen und so haben wir ein Team um die Band herum mit denen man befreundet ist und die dann eben in den Bereichen arbeiten. Besser geht es eigentlich gar nicht. Man kann natürlich jetzt keine Vorschüsse erwarten oder große finanzielle Sprünge, aber das wussten wir vorher. Das ist auch nicht wichtig. Vor allem kann man so aber auch Konstanz erlangen. Wir können jedes Jahr zu Rookie kommen und sagen, dass wir ne neue Platte haben, die wir rausbringen wollen und dann macht er das. Von der Konstellation her könnte man über Jahre zusammen arbeiten. Das finde ich schon spannend.

Jöran: Booking und Konzerte organisieren, das macht ihr alles so?

Ralf Das macht ne Agentur aus Wilhelmshaven, das ist ein alter Freund von mir und auch von Rookie. Der arbeitet so im Indie-Bereich sehr gut. Macht unter Anderem Melt Bananas und so. Den kenn ich auch schon 20 Jahre. Besser geht es eigentlich nicht.

Jöran: Wobei ihr je zurzeit recht wenig auftretet. Oder ist das so, dass ihr das macht, was gerade möglich ist?

Ralf Ja, was gerade möglich ist machen wir. Wobei das in der Clublandschaft immer schwerer wird, das ist auch reginol verschieden. Wir haben jetzt CD-Premiere nächsten Freitag vor 600 Leuten. Läuft halt gut im Norden, Berlin ist auch OK. Wenn Du dann aber in den Süden fährst, oder ins Ruhrgebiet, da kennt uns keine Sau. Da kannst du, wenn du Touren bookst, das finanzielle Risiko auch nicht abdecken. Das ist einfach so. Wenn Du eine Woche mit ner kompletten Band auf Tour gehst, du brauchst einen Bus, du brauchst nen Mischer. Und dann hast du in manchen Städten Pay-to-Play-Gigs. Da muss man mal eben 2-3 Tausen Euro mitbringen, damit man 2 Wochen auf Tour gehen kann. Das können wir nicht machen.

Jöran: Ich hatte gesehen, dass ihr in England auf Tour wart.

Ralf Ja, Cavern Club haben wir gespielt. Wir haben in Amerika ein Label, das heißt Not-Lame-Records, das ist in der Power-Pop-Szene recht bekannt. David Bash hängt sehr mit dem Chef von dem Label zusammen und das ist der Organisator von diesen Pop-Overthrow-Festivals. Die gibt es auf der ganzen Welt und das europäische findet immer in Liverpool statt. Da waren wir in diesem Jahr die einzige deutsch Band. Die lassen dann immer so, ich glaube diese Jahr waren es 170 Bands, zu und es ist immer voll, weil es keinen Eintritt kostet. Die Clubs machen mittags auf und da kommen dann hunderte von Leuten. Sehr viele Musiker kennengelernt. Hat richtig Spaß gemacht.

Jöran: Ihr habt ja auch sehr gute Resonanz bekommen.

Ralf Definitiv. Wir haben ordentlich CDs verkauft und Autogramme geschrieben. Aber man merkt da auch sofort den Unterschied, dass die Leute meiner Meinung nach auch in jeder Altersstufe noch musikinteressierter sind. In Deutschland gibt es viele Leute, die haben sich dann ab 25 nie wieder ne Cd gekauft, oder nur 1-2 im Jahr und hören dann Musik nur nebenbei im Auto oder so. Die sind überhaupt nicht mehr an neuen Sachen interessiert. Es gibt so Ausnahmen, die Heavy Metal Szene zum Beispiel, die kaufen alles, die kaufen das Merchandise, etc. Das ist so ne eigene Welt für sich. Ich kann jetzt mit der Musik nichts anfangen, aber die Szene ist total spannend. Ansonsten ist Deutschland ja auch Spitzenreiter im illegalen runterladen, weil dafür einfach kein Geld ausgegeben wird. Da gibt man sein Geld lieber für andere Dinge aus als für Kultur. In England ist tatsächlich so, dass da Leute im Cavern Club waren, die in den 60ern schon da waren, aber auch sehr junge Leute, Studenten. Und man denkt ja immer "Mutterlande der Popmusik" und daher sind die total verwöhnt, aber das war überhaupt nicht so. Bei denen hat Musik und Popmusik einfach nen ganz anderen Stellenwert als bei uns.

Jöran: Glaubst Du, dass es in England dann ganz anders ist, dass man nicht das nimmt, was einem vorgesetzt wird, von Radio, Fernsehen und so?

Ralf Das gibt es da auch. Aber es gibt auch anderes. Es gibt ja auch eine funktionierende Musikpresse. Sowas wie der NME oder früher Melodymaker, das wird dann wirklich im Bus gelesen. Dieses Medium hat da eine unheimliche Kraft und hat auch unheimlich viele neue Bands hervorgebracht. Wenn Du ne NME-Titelseite hast, war das ja schon immer Garant dafür, dass die Band in den Charts ist. Das basiert auf einem Geben und Nehmen. Zum einen sind die Leute viel mehr interessiert an Musik, zum Andere hast Du da auch solche Sprachrohre und Promomöglichkeiten, weil das die Leute da viel mehr interessiert. Wer liest denn hier zum Beispiel das Intro? Vor allem bei Leuten über 30?

Jöran: Eure 2. Platte ist erst in den USA erschienen und dann in Deutschland. Wie kam es dazu?

Ralf Wir haben eine Promopressung gemacht und dann hat uns bei Myspace ein College-DJ entdeckt, der sehr stark mit Not-Lame zusammenarbeitet. Der hat uns das nahegelegt und dann wurd uns gesagt, wir sollten ne CD schicken. Das ging dann dort schneller als hier, weil wir hier länger ein Label gesucht haben und dann mit einem Freund aus Berlin zusammengearbeitet haben, weil die Angebote, die wir bekommen haben lachhaft waren. Da war das auch eher ein Freundschaftsdeal von dem nicht viel zu erwarten war, außer, dass die Platte hier zu erhalten ist. Wir haben sehr wenig gespielt und hatten sehr wenig Presse und Radio. Und das ist bei Rookie im Ansatz schon wesentlich besser als das, was zur letzten Platte passiert ist.

Jöran: Wobei ja, und da hab ich mich sehr gewundert, weil ich euch vorher auch eigentlich gar nicht kannte, "Universe" doch sehr viel Aiplay hatte. Ich kannte eben das Lied, konnte es aber nicht zuordnen. Und auch der Ebay-Song. Wie seid ihr daran gekommen?

Ralf Das war ja alles auf der ersten Platte. Das macht dann der Verlag. Die bemustern andauernd irgendwelche Werbeagenturen und bei "Life is wonderful" ist das sogar sehr lustig, denn da passierte erstmal jahrelang nichts und dann wollte Ebay das haben und 2 Wochen später hat das der Verlag an Opel für einen Meriva-Spot in Italien und Russland verkauft. Das gibt dann auch schön viel Geld und davon haben wir dann die nächste Platte aufgenommen. Bei "Universe" war das so, das war die erste Monkeeman-Single überhaupt 1999, da lief die schon wie blöde im Radio. Dann haben die No Angels den Song gecovert, auf dem ersten Album, und dann haben wir den Song einfach zum ersten Album 2004 noch einmal ausgegraben und nochmal auf das Album gebracht und nochmal in die Radio-Promo gegeben. Und er ist dann noch mal ein Radio-Hit geworden. Der Song hat schon einiges eingespielt...

Jöran: Sehr schön fand ich auch das Video zu "Lonely Guy" auf eurem Myspace, das orientiert sich ja an "Subterranean Homesick Blues". Habt ihr das bewusst so gewählt?

Ralf Ja, haben wir. Ich hab den Film mehrfach gesehen und dann einen Freund von mir, der auch das Artwork und Fotos und Videos macht, angerufen. Ich glaub das war Freitags abends, und der Dreh war dann Montags, hat circa ne halbe Stunde gedauert. Der Schnitt war dann minimal aufwändiger, weil wir es ja rückwärts gemacht haben. Dann habe ich aber entsetzlicherweise rausgefunden, dass Wir sind Helden das auch schon mal gemacht haben. Das wusste ich aber gar nicht. Mein Verlag, die sind auch Verleger von den Helden, sagte dann: Tolles Video, aber das gibt es schon.

Jöran: Würdest Du Dylan denn als Einfluss sehen?

Ralf Überhaupt nicht. Mein Zwillingsbruder ist totaler Dylan-Fan, ich konnte aber nie so viel damit anfangen, fand aber diese Video-Idee total lustig. Und den Film auch.

Jöran: Was siehst Du dann eher so als Deine Wurzeln?

Ralf Also als ich angefangen habe, habe ich das wegen der 70er Punk-Bewegung gemacht. Ich war großes The Jam Fan und The Clash, Stiff Little Fingers. Damals war ich 14-15 und hab dann auch meine erste Band gegründet. Das war schon eine spannende Zeit. Es war Neue Deutsch Welle, Punk, jeder konnte einfach auf die Bühne gehen und anfangen Musik zu machen. Wir haben ein halbes Jahr geprobt und haben dann die ersten Auftritte gehabt. Wir sind quasi vor Leuten immer besser geworden. Die Leute haben Fanzines geschrieben, sich gegenseitig geholfen Auftritte zu organisieren. War echte ne coole Zeit. Ich fand auch, dass es da sehr viele coole Bands gab. Das war schon geballt das, was ich am meisten gehört hab. Ich hab auch viele 60er-Sachen gehört, als Kind war ich schon Beatles-Fan. Small Faces fand ich schon immer ganz großartig. Alles aufgrund der Plattensammlung meiner Mutter. Das sind so meine Wurzeln.

Jöran: Ich fand "City Lights" klang sehr nach Oasis.

Ralf Oasis fand ich am Anfang auch sehr gut. Die ersten beiden Platten, danach hab ich das nicht mehr gehört. Ich fand sowieso das ganze, was in Deutschland als BritPop vermarktet wurde, da gab es Mitte der 90er extrem fantastische Platten. Da wurde die Gitarre wieder aufgegriffen. Ich hasse ja die 80s. Schlimmste Dekade überhaupt, abgesehen von ein paar Sachen. Und Oasis und diese Band haben ja auch eigentlich nur weitergeführt was damals die Bands in den 70er gemacht haben. Da gibt es ja ganz viele Remineszenzen an alte Sachen. Aber die ersten beiden sind natürlich Meilensteine.

Jöran: Vor allem die erste natürlich. Da wurde auch mit ner sehr lustigen Arroganz dran gegangen.

Ralf Ja, sind leider aber auch zu so nem Rock-Dinosaurier verkommen. Die Platten kann ich mittlerweile echt nicht mehr hören. Ich hab mir die noch bis zur "Standing on the shoulder" gekauft, danach hab ich dann aufgehört. Ich fand auch "Be here now" schon grausam. Und dann hab ich gesagt, jetzt reichts, brauch ich nicht mehr.

Jöran: Gibt es denn Pläne "Life in a backseat" auch in den USA zu veröffentlichen? Wird das kommen?

Ralf Jaja, das kommt jetzt allerdings erst später raus, weil ich die ersten CDs jetzt erst rüber geschickt habe. Da geht es wieder mit ner kleinen Startauflage los. Das läuft da immer so, sobald abverkauft ist, bekommt er neue von mir. Die müsste jetzt entwerder Ende August oder Anfang September raus kommen. Wir haben in den USA auch super verkauft. Wir waren das beste Import-Album auf Not Lame in dem Jahr und haben da auch wirklich ein paar Fans. Was eben immer schwierig ist, ist da zu spielen. Du hast da natürlich schon Flugkosten für ne ganze Band. Das kannst du gar nicht einspielen, weil du da in kleinen Läden spielen würdest. Das macht überhaupt keinen Sinn und das finde ich ein bisschen schade. Toll finde ich das natürlich fürs Ego. Du machst ja englische Musik und das wird da total angenommen. Das ist echt super.

Jöran: Arbeitet ihr denn noch mit anderen Musikern zusammen. Zoran und Du, ihr habt ja zum Beispiel bei Rosenstolz mitgespielt.

Ralf Ja, genau, wir waren beide bei Rosenstolz, Zoran hat jetzt aufgehört. Ich hab vor schon vorher aufgehört, weil das die ganze Zeit aufgesaugt hat. Ich hab die über meinen Freund, den Produzenten von Wir sind Helden, kennengelernt. Der war früher Co-Produzent von Rosenstolz. Auf den Platten hab ich seit 96 gespielt und irgendwann haben die mich überredet in der Live-Band mitzuspielen. Das habe ich dann 4 Jahre gemacht, war dann auch musikalischer Leiter der Band, hab die aktuelle Live-Band dann auch mehr oder weniger zusammen gestellt, hab dann aber irgendwann gemerkt, dass ich nur noch das mache, weil das natürlich auch so erfolgreich ist, dass es deine ganze Zeit aufsaugt. Mit der Musik kann ich aber nicht anfangen und dann hab ich einfach aufgehört. Das kam für die auch sehr überraschend, aber so ist das Leben.

Jöran: Genauso hast Du auch bei Bela B. mitgearbeitet?

Ralf Nee, Bela B. hatte einfach nen Song geschrieben, oder vielmehr die Diane Weigmann hatte den Song geschrieben als Duett für Bela und sich. Das kam glaub ich zu irgendeinem Film raus. Und da haben wir dann 2-3 Tage im Studio das Ding aufgenommen. Das war aber nur einer von vielen Studio-Jobs. Ich hab auch für Jimmy Summerville gearbeitet, nen Elton John Remix gespielt, Patricia Kaas und so. Aber bei vielen dieser Sachen ist der Künstler ja gar nicht anwesend, sonder nue die Produzenten.

Jöran: Bist Du denn von je her Berufsmusiker?

Ralf Das geht eigentlich schon sehr lange gut. Anfangs hab ich noch parallel studiert. Aber als ich dann mit Colour Red den ersten Major-Deal hatte mit Videos auf VIVA und vielen Auftritten, hab ich dann gesagt, dass ich nur noch Musik mache. Also seit den 90er. Natürlich musste man dann damals auch mal nebenbei jobben oder n bisschen Geld woanders besorgen aber seit 97-98 geht das eigentlich ganz gut mit der Musik. Ich hab aber auch kein Problem damit nen Werbedeal abzuschließen, wenn es n weiteres Album möglich macht und man 1-2 Jahre davon leben kann...

Jöran: So, das wars eigentlich. Hast Du noch was?

Ralf Hm, ich hoffe ja, dass wir das Touren noch intensivieren können. Die Clubszene ist ja leider ziemlich am Boden in Deutschland. Das ist dann natürlich auch so, dass man die Veranstalter verstehen muss. Die können ja auch keine Festgage ausspucken, wenn sie nicht wissen, wie viele Leute kommen.

Jöran: Ja, guck Dir da mal das Molotov an, die wollen ja dicht machen, weil sie an Konzerten nichts mehr verdienen.

Ralf Ja, und was war das für ein renommierten Club. Und das Sterben geht immer weiter. Es gab mal so viele tolle Läden. Davon ist nur noch die Hälfte da. Schuld daran sind aber teilweise auch die Leute, die einfach keine Lust mehr haben auf Konzerte zu gehen. Man sieht immer wieder, dass Musik viele Leute nicht mehr interessiert.

Jöran: Das schlimme find ich ist, dass es so ne Art Massenware wird, die man nebenher konsumiert. Damit kann ich halt nichts anfangen.

Ralf Vor allem ist es ja auch durch das Internet so einfach geworden neue Musik zu finden. Da muss man einfach nur mal verlinkte Bands bei Myspace zu checken. Da kann man mal reinhören und ich weiß gar nicht, wie viele CDs ich so entdeckt habe und mir dann auch gekauft habe. Was auch durch die ganze Digitaltechnik gekommen ist, ist, dass man für ne gute Aufnahme nicht mehr so viel Geld braucht. Viele Bands können auch selber produzieren und es ist nicht mehr so, dass unbekannte Bands im Proberaum aufnehmen und die Platten dann "komisch" sind. Es gibt ganz viele unbekannte Sachen, die einfach total toll sind. Ich sitz dann teilweise ganze Nächte da und checke und schreib mir Sachen auf und versuche dann die CDs zu bekommen.

Jöran: Ich glaube auch, dass manche Leute davon abgeschreckt werden, dass die Platten von bekannteren Bands, mit denen man dann in ein Genre einsteigt, zu so hohen Preisen verkauft werden.

Ralf Das machen ja aber auch nur noch die großen Plattenfirmen. Mit Rookie zum Beispiel ist es so, dass wir uns als Band überlegen können welches Preissegment du möchtest. Dadurch verdient man als Band vielleicht auch weniger, aber unsere CD wird nirgendwo mehr als 12,90 Euro kosten. Und das denke ich, ist ein fairer Preis. Das will ich auch so und bei Konzerten verkaufen wir die sogar für nen 10er. Ich finde, das kann man wirklich bezahlen. Als ich aufgehört habe Vinyl zu kaufen, noch zu D-Mark-Zeiten, da war ne Platte bei 18-19 Mark. Das ist im Rahmen.

Jöran: Wenn ich dann aber 5 Jahre alte Platten sehe, die für 18-19 Euro verkauft werden. Das ist zu viel.

Ralf Das geb ich für ne CD auch nicht aus. Da muss ich sie schon unbedingt haben wollen. Was ich gerne mach ist, dass ich mit nem Billigflieger nach London fliege und da in den Läden nach Platten stöber. Ich hab auch sehr lange Vinyl gekauft, was sich jetzt nicht mehr lohnt, weil die ganzen Pressungen einfach nicht mehr klingen. Ist eben auch alles digital produziert. Aber in London gibt es eben noch diese unheimlich geile Plattenlädenkultur. Die haben ja auch noch diese Exchange-Läden, wo man Platten hinbringen kann und je länger die da steht, desto billiger wird die. Da kannst du wahre Schätze finden.

Jöran: Was mir in Schottland aufgefallen ist, dass man da unheimlich viele Bootlegs findet. Was es ja in Deutschland nicht unbedingt gibt.

Ralf Das ist eben das. Musik hat da nen anderen Stellenwert. Ich kann das auch einfach nicht, hier irgendwie in den Saturn gehen und CDs suchen, Das macht keinen Spaß. Ich mag diese Eck-Plattenläden, was der Typ drinnen echt Plan hatte, der da hinterm Tresen steht und sagt: Hör Dir das doch mal an. Das gibt es leider kaum nicht mehr.

Jöran: Das wird leider immer mehr verdrängt, wenn die Leute aber auch nicht bereit sind, Geld für Musik auszugeben.

Ralf Wobei ich es auch manchmal angenehm finde, bevor ich Tage lang rumsuche, es mir einfach bei Amazon zu bestellen. Find ich auch okay. Aber was willst Du machen. Wenn es keine guten Läden mehr gibt, musst du dich diesen Mittels bedienen. Die ganzen Indie-Bands, die findest du ja eben bei den ganzen kommerziellen Läden gar nicht mehr, weil die eben keine Lust haben sich die aufs Lager zu packen.

Jöran: Was hälst Du von so Angeboten wie Musicload und iTunes?

Ralf Mach ich nicht. Ich brauch schon nen physischen Tonträger. Da bin ich old-fashioned. Ich kann mir nicht vorstellen, den Soundtrack von meinem Leben auf nem iPod zu haben oder ner Festplatte. Ich hab auch sowas gar nicht. Ich hör keine mp3s. Ich arbeite schon damit, wenn ich Demos verschicke oder mich auf e Produktion vorbereiten muss, dann schicken die das natürlich jetzt auch eben per Mail, dafür find ichs auch okay. Aber sonst nicht. Ich hör auch immer noch gerne meine alten Vinyl-Platten. Das ist immer noch was anderes. Wir wollten auch eigentlich ne Vinyl-Auflage machen, aber das rechnet sich leider nicht.