New Model Army - Between Dog and Wolf

New Model Army - Between Dog and Wolf

„Between Dog and Wolf“ schickt sich an ein besonderes Army-Album zu werden. Die breite Variation an Vinyl und CD-Versionen katapultieren das Album in der ersten Woche auf Platz 31 der deutschen Album-Charts. Grund für uns das Album mit einem etwas anderen Review zu würdigen. Wir lassen einfach die NMA-Fans unter den befreundeten Autoren zu Wort kommen:

Dirk Scherer, SWR : Ich sage immer: „Es gibt keine schlechten Lieder von NMA, es gibt nur welche die ich weniger oft höre.“ Auch mit „Between Dog And Wolf“ ist das so. Der allgemeinen Kritik, dass Album klänge komplett anders, muss ich widersprechen. Der Sound erinnert sehr an das starke 2005er Album „Carnival“. Weniger dreckiger Rock dafür gibt Drummer Michael Dean alles und die Rhythmen packen den Hörer. Justin nimmt jeden mit auf tolle Reisen, die er durch seine Lyrics und teils sanfte Stimme entstehen lässt. Nach vielen privaten Rückschlägen der Band, ist dieses Album umso bedeutsamer für die Band wie auch für uns Fans. Danke für jedes einzelne Lied.

Anja, www.bat-cave.de : Mein erster Eindruck: trommelig. Und: sie hat mir direkt gut gefallen, ganz im Gegenteil zur Carnival oder zur High, deren Lieder zumindest in Teilen erst durch mehrmaliges Live-Hören dazugewinnen konnten. Bei einigen der Songs hatte ich direkt eine Vorstellung davon, dass sie live sicherlich richtig einschlagen werden, was mittlerweile auch bewiesen haben (March in September, Seven Times, Stormclouds, I need more time, Between dog and wolf); bei anderen bin ich sicher, dass sie eher was für Justins Solo-Touren sein werden (Qasr El Nil Brigde, Sommer Moors, Knievel). Dennoch hat es ein paar Durchläufe gebraucht, um sie auch wirklich auseinander halten zu können, die Songs sind sich zumindest beim ersten Hören recht ähnlich, wirken alle wie aus einem Guss, keines schlägt total aus der Art. Finde ich auch gar nicht weiter schlimm; wenn man sich erst einmal in eine Platte reinhören muss, lässt das hoffen, dass sie nicht zu schnell langweilig wird und man immer wieder Neues entdecken kann, was bei dieser Platte absolut der Fall ist! Mein aktueller persönlicher Favorit – live und als Album-Version: Pull the sun; der Refrain geht mir einfach nicht aus dem Kopf.

Ingo Schmidt: Between Dog and Wolf ist wahrlich kein gewöhnliches Album. Es erinnert optisch an den Hobbit-Soundtrack und kommt akustisch ungewohnt episch daher. Ein Album, bei dem man nach dem ersten Hören denkt, dass Herr Sullivan zwar die Horsemen aufsatteln lässt, man selbst jedoch nicht länger mitgaloppieren mag. Ein Album, welches man dennoch wie von Geisterhand gesteuert immer und immer wieder einlegt. Denn nach und nach entfalten Songs wie Seven Times, Horsemen, Summer Moors oder Lean Back And Fall einen betörenden Charme, von dem man nicht genug bekommen kann. Kein großes Album, da es auch eine Menge songwriterisches Mittelmaß zu hören gibt (Stormclouds, Tomorrow Came u.a.). Aber eines, das vor Kreativität, Selbstbewusstsein und Wagemut nur so strotzt. Mit BDAW liefern einen bemerkenswerten Longplayer und viele gute Gründe zum Aufsatteln.

Carsten Joiko: Nicht denken, sondern fühlen sind meine ersten Gedanken, äh Gefühle, wenn ich das neue Album höre. Horsemen gibt uns direkt einen Einstieg, was wir zu erwarten haben: Drums und Mächtigkeit. Dieser Sound entwickelt sich dann von Lied zu Lied immer weiter. March in September bereitet als zweiter Song die emotionale Grundlage vor, die mich dann durchs Album trägt. Dies ist ein Album, welches einen NMA-Fan Anfang vierzig emotional berührt und ein Treiben im Kopf in Gang setzt, das ein Konzert mit einer Wahnsinns-Anlage einfordert, um dann im Publikum ordentlich durchgeschüttelt zu werden. Ja, eine gute Anlage wäre hier von nutzen. Danke für dieses Album.

Marco, rawmelody: 26 Jahre begleitet mich diese Band, wie eine Ehe, man war verliebt am Anfang, war Feuer und Flamme, irgendwann wurde es ruhiger, man war mal näher dran, mal aber auch weiter entfernt, aber nie fremd gegangen! Einmal Lieblingsband, immer Lieblingsband! Und jetzt — ein neues Album. Es ist ruhiger geworden — ich bin es auch, man schwelgt in Erinnerung beim Hören, langsam wird das alte Feuer wieder entfacht. Jeder Song ein neuer Holzscheit, man verliebt sich neu, wieder einmal. Nicht jeder Song wird das Herz erobern, aber es gibt Highlights auf diesem Album: das wunderbare „Knievel“. Die Hommage an Dead Can Dance: „Qasar El Nil Bridge“, mit seinem orientalischen Touch. Summer Moors, wo Justin so schön singt, wie schon lange nicht mehr. Hier wurden auch zum ersten Mal die Augen ein wenig Feucht. „Did You Make It Safe“, melancholie-getränkt mit tollen Chören und einem Trommelbeat, der seinesgleichen sucht. Und, immer wieder diese Streicher und Bläsereinsätze, die der Band besonders gut stehen. Wie ein edler Anzug für das besondere Fest. Die Platte wird weiter wachsen, man muss sich nur drauf einlassen und gut zuhören. Wie eigentlich auch in einer Ehe.

Mathias Muchenberger, duckdiver.de :

„I need more time“ (Track 5) - denkt man sich auch beim ersten Abspielen der neuen Scheibe. Vielleicht zeichnet genau das ein großartiges Album aus, wenn es eben nicht beim ersten mal in Fleisch und Blut übergeht. Das Album lässt sich am besten mit der Verwandlung einer Raupe in einen Schmetterling vergleichen - nach und nach entfaltet sich die gesamte Schönheit. Die konsequente Entwicklung der Band ist auch nach über 30 Jahren beeindruckend, wenngleich die Studio-Version gegenüber dem „alten“ Army-Sound den typisch „kernigen“ Charakter vermissen lässt. Live sind die neuen Lieder eine Wucht, vor allem durch die vielen Percussioneinlagen vom Bassisten.

Frank Reins, Musikinstinkt.de : Mein erster Gedanke war: „nach dem sich Marshall gitarrentechnisch am letzten Album austoben durfte, war jetzt also mit Ceri und Michael die Rhythmusfraktion dran.“ So einsilbig ist das Album dann aber doch auf keinen Fall. Mein Schlüsselmoment war die Fahrt zum New-Model-Army-Konzert nach Münster. Leere Landstraße, ein wunderschöner Sonnenuntergang in der Heckscheibe und die Landschaft vor mir in einem unglaublichen Licht; dazu die „Between Dog and Wolf“ im CD-Spieler, der Rhythmus immer knapp über meinen eigenen Puls. Das Album entfaltet nach mehrmaligen hören eine unglaubliche Tiefe, vielleicht noch vergleichbar mit Justins Solo-Album „Navigating by the Stars“. Justins Lyrics in der Verbindung mit der eindrucksvollen Musik schaffen immer wieder neue wunderschöne Bilder, etwas was ich in dieser Form nur bei NMA erlebe. Und wer hätte je geglaubt, dass irgendwann mal einen Song über das US-Idol „Evel Knievel“ schreiben wird, und dass dieser Song auch noch echt gut ist: "Do they come to see a man fall - or to see him fly?." Einziger Kritikpunkt: Mit 14 Songs ist das Album dann doch ein wenig zu langatmig, gerade wegen der Tiefe der meisten Songs auf BDAW.

Autor: Frank Reins

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