Party.San Open Air 2014

Hell is here

Festivalbericht: Party.San Metal Open Air - Schlotheim, 07.-09.08.2014

Unter dem passenden Motto "Hell is here" lockte auch 2014 wieder das mittlerweile in der Metalszene sehr beliebt gewordene Party.San-Festival ins Thüringische Becken. An drei Tagen gab es dort 47 Bands vorwiegend aus dem Extrem-Metal-Bereich mit einem angenehmen Mix aus jungen Bands und alten Helden der 80er und 90er Jahre.

Donnerstag, 07.08.

Bei bestem Wetter komme ich am Flugplatz Obermehler bei Schlotheim im Thüringischen Becken an. Der Campingplatz ist schon gut gefüllt, die meisten Leute sind wohl schon am Vortag angereist. Wegen der langen Anfahrt schaffe ich es erst zu Atlantean Kodex vor die Bühne. Dort ist entsprechend der Uhrzeit noch nicht allzuviel los, zumal die Band mit ihrem traditionell gespielten Heavy-Metal im ansonsten eher vom extremen Metal dominierten Billing eher eine Außenseiterposition einnimmt. Das stört die Liebhaber dieser Musik jedoch wenig, wer schon dort ist, feiert die Band jedenfalls amtlich ab. Weiter geht's mit Grave. Hier gibt es tight gespielten Schweden-Tod, der zu begeistern weiß. Klassiker wie "You'll Never See..." und neue Sachen "Amongst Marble and the Dead" wissen gleichermaßen zu begeistern. Danach geht es direkt mit schwedischen Death Metal weiter. Es folgen Entombed A.D., die nach dem Abgang von Alex Hellid nur noch mit einem Mitglied der Klassikerbesetzung aufwarten können. Daher kann ich mich für den Auftritt auch nur so semi begeistern, die Band wirkt auf mich leider weitgehend wie eine Coverband. Klar gibt es auch einige gute Momente, wie etwa das Instrumental am Ende von Left Hand Path. Insgesamt ist die Performance der Band auch eigentlich ganz ordentlich, trotzdem will für mich der letzte Funke nicht überspringen. Das geschieht hingegen recht schnell bei Sólstafir. Schon beim ersten Song wird klar, das hier eine der besten Bands des Festivals auf der Bühne steht. Die schräge isländische Mischung irgendwo zwischen Hardrock, Metal und Stoner überzeugt vor allem durch ihre Atmosphäre, die perfekt zur einsetzenden Abendstimmung passt. Das Set basiert noch vorwiegend auf dem letzten Output Svartir Sandar, das neue Album Ótta wird erst am Ende des Monats veröffentlich. Headliner sind Watain, die eine ordentliche Black-Metal-Show mit viel Feuer, großen Gesten und Blutspucken hinlegen, bei der es eigentlich nichts zu meckern gibt. Für mich persönlich funktionieren Black-Metal-Bands auf so großen Bühnen allerdings nicht so optimal, da ich das Genre eher mit Underground verbinde und mir bei einer großen Bühne mit großer Lichtshow da irgendwie die Atmosphäre flöten geht. Aber das ist natürlich Geschmackssache, sachlich betrachtet ist der Auftritt auf jeden Fall headlinerwürdig.

Freitag, 08.08.

Als Jig-Ai loslegen, habe ich noch auf dem Zeltplatz zu tun (Bier trinken). Aber loslegen ist relativ, irgendwie geht es los und dann doch nicht. Technische Probleme verzögern den Start, aber irgendwann geht es dann doch los mit herrlichem Grind-Gebolze. Auch die Auftritte von Havok und Lost Society bekomme ich nur am Rande mit, schließlich will so ein Festivalgelände auch erkundigt werden und die zahlreichen Stände sind überwiegend einen Besuch wert. Am Cudgel-Stand gibt´s beispielweise vorab die neue Single von Morgoth ("God is evil") in einer limitierten goldenen Version (ist nach dem Festival schon ausverkauft). Und bei Season of Mist gibt es tatsächlich schon das neue Album von Sólstafir lange vor dem Releasedate (auch als Vinyl!). Bei Ahab gibt es schön schleppenden Doom Metal, das ist jetzt genau das Richtige am frühen Morgen (Nachmittag... - Red.). Klasse Vorstellung, die Band werde ich mal anchecken. Weiter gehts mit Inquisition, die zwar als Duo beeindrucken und einen guten Auftritt hinlegen, als Black-Metal-Band jedoch am helllichten Tag nicht so wirklich optimal platziert sind. Aborted zertrümmern danach ordentlich das Gelände mit kompromisslosen Death Metal. Das gleiche kann man eigentlich auch über die folgenden Benediction sagen, die als britische Death-Metal-Institution der ersten Stunde ebenfalls ein gelungenes Set hinlegen und mit einer kleinen Portion Punkrock im Auftreten auch für ein gewisses Quäntchen an Rotz sorgen. Und weiter gehts mit Death Metal, Misery Index legen ein weiteres Lehrstück dieses Genres auf die Bühne. Dann legen Repulsion noch eine Schippe Geschwindigkeit und Härte drauf, die Genrepioniere des Grindcores legen eine überzeugende Vorstellung hin. Über die Setlist mussten sie sich wohl keinen großen Kopf zerbrechen, denn die Band hat in ihrer mittlerweile fast 30-jährigen Bandgschichte nur ein Album veröffentlicht. Mit The Haunted wird es dann wieder melodischer. Die Band präsentiert sich irgendwo zwischen sehr harten Power Metal, Thrash und melodischem Death. Klingt gar nicht schlecht. Ganz übel auf die Zwölf gibt es dann wieder von Suffocation, die mit überwiegend schnell gespieltem Death Metal dem Publikum die letzten Kräfte aus dem Leib trümmert. Zum Abschluss des Tages beschwören zunächst Marduk und danach Satyricon wieder die Düsternis herauf und sorgen für einen willkommenen Kontrast zum Death Metal dominierten Tagesprogramm. Wie schon gestern können mich beide Black-Metal-Bands nicht wirklich überzeugen, legen aber zugegebenermaßen eine große und durchaus sehenswerte Show aufs Parkett. Inzwischen ist der Raum vor der Bühne bis weit nach hinten hin gefüllt und der Begeisterung nach zu urteilen ist die Menge mit dem Programm des Tages mehr als zufrieden.

Samstag, 9.8.

Heute schaffe ich es schon zu Nocturnal vor die Bühne. Die Band hat auch Aufmerksamkeit verdient. Mit gut durchkomponiertem Retro-Thrash Metal hat sie die noch nicht so ganz in Partylaune befindliche Menge vor der Bühne schnell im Griff. Eine zentrale Rolle spielt dabei natürlich Frontfrau Tyrannizer, die das Publikum nicht nur mit ihrem Organ beeindruckt, sondern auch performancetechnisch nichts anbrennen lässt. Dann gönne ich mir zum endgültigen Wachwerden erstmal einen Kaffee und bin bei Protector wieder aufnahmebereit. Das letzte verbliebene Urmitglied Martin Missy hat die Band 2011 mit jungen Musikern wieder ins Leben gerufen. Die spielen sowohl das alte Material als auch Songs von der 2013er Comeback-LP "Reanimated Homunculus" und liefern dabei eine anständige Vorstellung ab. Herrn Missy ist dabei durchaus anzusehen, dass ihm der Auftritt mächtig Spaß macht. Auch das alte Nagelarmband darf dabei nicht fehlen. Bei Imperium Dekadenz und Kampfar wird härtetechnisch dann wieder die Latte etwas höher gelegt und Malevolent Creation legen als Krönung alles in Schutt und Asche. Auch wenn Aura Noir dem Namen nach eher nach Gothic klingen, ist jetzt wieder oldschooliger Thrash Metal mit Black-Metal-Einschlag angesagt. Sowohl musikalisch als auch von der Show her ganz gut gemacht. Mit Grand Magus betritt dann vielleicht die musikalisch am weitesten vom übrigen Lineup entfernte Band die Bühne. Hier sorgt eine Mischung aus Stoner und Hardrock für eine willkommene Abwechslung zum bisherigen Gebolze. Sie erschaffen eine angenehme laid-back-Atmosphäre am späten Nachmittag, die zum Hinsetzen und Biertrinken einlädt. Napalm Death sorgen dann aber mal schnell für einen amtlichen Stilbruch und hauen dem Publikum wieder ein ordentliches Gebölze um die Ohren. Auch optisch wird der Grindcorevibe durch den wie ein Flummi über die Bühne fegenden Barney angeheizt und das Publikum quittiert das mit ordentlich Action im Pit. Passt. Zwischendurch geht's dann mal zu Bölzer ins Zelt. Dort erwartet mich eine in düsteres Blau getauchte Bühne, auf der nur Sänger/Gitarrist Okoi zu sehen ist, während Drummer Fabian komplett im Nebel verschwindet. Ein Alptraum für die ratlos dreinschauenden Fotografen. Genauso finster schrammelt das Duo ihren atmösphärischen Death Metal herunter und wird von der nicht geringen Menge im Zelt dafür abgefeiert. Nach einer längeren Umbaupause geht dann der heutige Headliner auf der Hauptbühne an den Start. Schon die aufwändig gestaltete Bühne weiß zu beeindrucken, ein riesiges Backdrop in grellen Orangetönen sorgt weithin für einen Blickfang. Auch die Show zieht alle Register, es wird nicht an Pyros gespart und spezielle Elemente wie ein mit einer Nebelkanone schießender Mille oder zwei vermummte Fahnenträger mit der Flag of Hate am Bühnenrand sorgen für Überraschungen. Songtechnisch erwartet uns die schon von der Tour bekannte Mischung aus Songs vom neuen, großartigen Album "Phantom Antichrist" und den alten Klassikern. Ein würdiger Headliner für ein großartiges Festival. Freu mich schon aufs nächste Mal...

Autor: Thomas Huntke

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